VERDEN (ALLER)

GESCHICHTE

Der Stadtname Verden enthält das alte Wort „Furt” und weist auf den Flussübergang hin, der bereits seit urgeschichtlichen Zeiten von Händlern genutzt wurde. 782 hielt Frankenkönig Karl ein Strafgericht, das „Verdener Blutgericht”, über die Sachsen ab. Um 800 wurde das Bistum Verden ge-gründet. Unabhängig vom „Süderstadt” genannten Bischofssitz entwickelte sich die Kaufmannssiedlung „Norderstadt” rund um das heutige Rathaus zu einer selbständigen Stadt mit eigenen Stadtrechten. Die separate Entwicklung zeigte sich auch im Bau der Stadtmauern um die Norderstadt (1210) und die Süderstadt (1371). Die erste urkundliche Erwähnung als „Stadt Verden” erfolgte 1192 in einem Kaiserprivileg. 1406 wurde Verden Freie Reichsstadt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel das Bistum Verden durch den Westfälischen Frieden von 1648 an die schwedische Krone und wurde Garnisonsstadt (bis 1994). Erst 1667 wurden die beiden Stadtteile Norder- und Süderstadt vereinigt. Ab 1719 gehörte Verden zum Kurfürstentum Hannover. 1847 erfolgte der Bau des Bahnhofs. 1866 kam Verden zu Preußen.

Seit den 1930er-Jahren wird Verden als „Reiterstadt” bezeichnet. 1930 fand zum ersten Mal ein großes Reit- und Fahrturnier statt, drei Jahre später wurde die Galopprennbahn eingeweiht, auf der heute bedeutende Turniere stattfinden. 1947 wurde die Hannoversche Reit- und Fahrschule gegründet, ein Jahr später fand die erste Elite-Auktion Hannoverscher Warmblutpferde statt. An der Weltausstellung EXPO 2000 war Verden als „Zentrum der Tierzucht” sowie mit einem Projekt im Holzheizwerk beteiligt. Heute leben in der „Reiterstadt” ca. 28000 Menschen.

Verden an der Aller

Verden an der Aller

RUNDGANG DURCH DEN HISTORISCHEN STADTKERN

Der Rundgang beginnt im Herzen der Reiterstadt am Rathaus, in dem auch die Tourist-Information untergebracht ist. Das Gebäude mit seiner Barockfassade wurde in den Jahren von 1729 bis 1733 errichtet. Im Zuge eines Umbaus 1903/05 erhielt das Rathaus seinen charakteristischen Turm im Stil des Historismus. Trotz seines krassen stilistischen Kontrastes zum Barockgiebel und einem geplanten Abriss in den 1970er-Jahren ist das Rathaus heute ohne den Turm nicht mehr vorstellbar. Neben dem Rathaus erhebt sich die St. Johanniskirche, die zu den ältesten Backsteinkirchen Norddeutschlands zählt.

Die einschiffige romanische Kirche wurde im 12. Jh. errichtet und in gotischer Zeit zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgestaltet. Besondere Beachtung im Inneren verdient das Stuckrelief des „Jüngsten Gerichts”. Die mittelalterlichen Wand- und Deckenmalereien, u. a. auch das Decken-gemälde im Chorraum, wurden teilweise erst bei der letzten Renovierung freigelegt.

Durch die Große Straße, eine einladende Fußgängerzone, und die Untere Straße gelangt man zum Domherrenhaus – Historisches Museum. In einem frühbarocken Adelssitz von 1708 dokumentiert das Regionalmuseum auf rund 900 m2 Ausstellungsfläche die Historie des Verdener Raums von der Vor- und Frühgeschichte bis in das 20. Jh. sowie die Stadt- und ßistumsgeschichte. Von überregionaler Bedeutung sind die „Lehringer Funde”, die in der spannenden Inszenierung einer steinzeitlichen Elefantenjagd präsentiert werden.

Komplett eingerichtete Werkstätten geben einen Einblick in die Arbeitsweisen traditioneller Handwerke und in vollständig möblierten Zimmern erlebt man die Wohn- und Alltagskultur des 18. und 19. Jh. Auch ein Zinnfigurenkabinett ist zu sehen. Museumspädagogische Angebote und Sonderausstellungen ergänzen das Programm des Museums. Im historischen Ambiente des Beckmann-Zimmers sind standesamtliche Trauungen möglich. Zum Verweilen lädt der barocke Innenhof des Domherrenhauses ein.

Folgt man der Unteren Straße ein Stück weiter, erreicht man das Wahrzeichen der Stadt, den Dom. In ihrer heutigen Form wurde die dreischiffige gotische Hallenkirche 1490 fertig gestellt. DerTurm und der Kreuzgang entstanden bereits um 1180. Der Hallenumgangschor gilt als der älteste auf deutschem Boden und diente als Vorbild für andere Sakralbauten. Sehenswert sind außerdem die Grabdenkmäler, der Levitenstuhl und der Taufstein. Nachdem ein Sturm 1737 den Helm des Turms abgerissen hatte, erhielt der Dom sein charakteristisches Zeltdach.

Auf dem Domfriedhof wird seit 1821 ein ganz besonderer Brauch gepflegt. Damals vermachte der Bürger Franz Goldmann der Stadt eine Stiftung – unter einer Bedingung: Jedes Jahr am 10. Mai wird das Grab von einer Braut mit Blumen geschmückt, die am 11. Mai, dem Todestag des Franz Goldmann, heiraten wird. Im Schatten des mächtigen Domes steht die St. Andreaskirche, die im romanischen Stil Mitte des 12. Jh. erbaut wurde. Das einschiffige Gotteshaus birgt u. a. die Messinggrabplatte des Verdener Bischofs Yso, die mit ihrer sehr feinen Ziselierung als einzigartig gilt. Nun folgt man der Grünen Straße und dann der Oberen Straße bis zur Einmündung der Ostertorstraße, in die man rechts einbiegt.

„Auf 500 Hufeisen” gelangt man so zum Holzmarkt. Die Flaniermeile wurde ganz im Zeichen des Pferdes gestaltet. 500 Messinghufeisen wurden in den vier Pferdegangarten Schritt, Trab, Galopp und Renngalopp in die Gehwegplatten eingelassen. Jedes Hufeisen trägt den Namen eines Spenders, u. a. auch die Namen von prominenten Pferdesportlern wie Isabell Werth, Alwin Scho- ckemöhle, Hans-Günter Winkler und Rainer Klimke. Fahrradständer mit Pferdemotiven und 34 Pferdesilhouetten aus Edelstahl auf zwei 3 Meter hohen Granitsäulen runden die Eindrücke ab. Als weitere Gestaltungselemente lockern verschiedene Labyrinthe, Gezeitenbrunnen und Wasserspiele die Fußgängerzone auf. Am Holzmarkt sollte man das Deutsche Pferdemuseum besuchen. Seine Ursprünge gehen zurück in die Zeit um 1930, als der Verdener Heimatbund mit dem Aufbau einer pferdekundlichen Sammlung begann. 1965 etablierte sich mit der Verselbstständigung der Name „Deutsches Pferdemuseum”. Die Sammlungen wurden um die umfangreiche hippologische Bibliothek mit heute über 16000 Bänden erweitert und waren bis 1999 in einem Fachwerkhaus in der Verdener Altstadt untergebracht. Seit dem Jahr 2000 befindet sich das Museum stilecht in den Pferdeställen und Mannschaftsräumen der ehemaligen Kavalleriekaserne. Wahrzeichen des Museums ist das lebensgroße Denkmal des Trakehner Zuchthengstes Tempelhüter. Der Rundgang durch das Museum führt den Besucher durch die Geschichte zwischen Mensch und Pferd, die beim katzengroßen Urpferdchen vor 50 Mio. Jahren begann. Neben historischem Spielzeug sind Prunkgeschirre, Reit- und Fahrausrüstungen und Sättel zu sehen. Modelle, kleine Zinnfigurendioramen, Grafiken, Gemälde und illustrierte Bücher, Bronzeplastiken und Porzellanfiguren zeigen die verschiedenen historischen Verwendungen und Funktionen von Pferden. Eine Vitrine erinnert mit seinem Reitfrack, Ehrenpreisen und alten Versandhauskatalogen an Josef Neckermann. Über das reine Betrachten und Lesen hinaus wird der Besucher auch zum Mitmachen und Ausprobieren angeregt. Mittels eines Modells mit Spiegeloptik kann man seine Umgebung praktisch mit Pferdeaugen betrachten oder auf einem mechanischen Reitgerät in Verbindung mit einer Videoinstallation über die Verdener Rennbahn reiten. Speziell für Kinder ausgearbeitete Fragebogen helfen kleinen Besuchern bei der Erkundung des Museums. Nach diesen interessanten Eindrücken kehrt man auf bekanntem Weg durch die Ostertorstraße zurück zum Ausgangspunkt des Rundgangs am Rathaus.

SCHAUEN

Der Verdener Veranstaltungskalender enthält einige Highlights: Die Lä- tare-Spende am Montag nach dem Kirchensonntag Lätare soll ein Ver-mächtnis Störtebekers sein, der vor seiner Hinrichtung Brot und Heringe an die Bevölkerung verteilen ließ. Die Domweih mit großem Festumzug ist einer der ältesten Märkte in Norddeutschland. Die Verdener Dünen im Stadtwald entstanden nach der letzten Eiszeit und stehen seit 1930 unter Naturschutz. Der Rundweg im Sachsenhain wird gesäumt von 4500 Granitsteinen, die an die 4500 während des „Verdener Blutgerichts” hingerichteten Sachsen erinnern sollen. Am Sachsenhain pflegt die Storchenstation kranke und verletzte Störche. Das Allertal wird von einem gut ausgebauten Radwegenetz erschlossen. Die Touren lassen sich verbinden mit einer Fahrt mit der Museumseisenbahn Verden – Stemmen oder der historischen Allerfähre Otersen – Westen. Die Flotte Weser ermöglicht attraktive Schiffsausflüge. Das Spaßbad „Verweil” lockt mit Riesenrutsche, Planschbecken und Saunalandschaft.

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