NORTHEIM

GESCHICHTE

Als Keimzellen der Stadt Northeim können eine Siedlung aus vorchristlicher Zeit, ein fränkischer Königshof an der Kreuzung zweier wichtiger Handelswege (um 800) und ein Benediktinerkloster, in dessen Schutz sich eine Marktsiedlung entwickelte (um 1100), angesehen werden. 1252 erhielt Northeim das Stadtrecht, der Bau der Stadtmauer unter Einbeziehung des Klosters St. Blasien begann. Im 14. Jh. erwarb die Stadt das Markt- und das Münzrecht, erlebte in den beiden folgenden Jahrhunderten eine Blütezeit und war von 1384 bis 1554 Mitglied in der Hanse. 1539 wurde auf der Grundlage der vom Reformator Anton Corvin aufgestellten „Northeimer Kirchenordnung” die Reformation eingeführt. 1562 erfolgte die Auflösung des Klosters St. Blasien, dessen Klostergut jedoch heute noch besteht. Der wirtschaftliche Niedergang Northeims begann Ende des 16. Jh. und wurde durch den Dreißigjährigen Krieg beschleunigt, der Belagerungen, Plünderungen und Kontributionszahlungen mit sich brachte. Von den Folgen erholte sich die Stadt nur langsam ab der Mitte des 19. Jh. Von 1807-1813 fiel Northeim unter französische Herrschaft und gehörte zum Leine-Departement des Königreichs Westfalen. 1854 erhielt Northeim Anschluss an das Eisenbahnnetz und war ab 1878 Eisenbahnknotenpunkt, was die Ansiedlung von Industriebetrieben und Verwaltungsinstitutionen entscheidend begünstigte. Ab 1892 setzte die Industrialisierung ein, insbesondere im Bereich der Tabakverarbeitung sowie bei der Rhumemühle, einer Zuckerfabrik und der Gasanstalt. Im Zweiten Weltkrieg blieb der historische Stadtkern von Angriffen verschont, doch wurden am Rand der Altstadt und am Bahnhof schwere Schäden angerichtet. Im Zuge der Gebietsreform 1970/74 wurden 15 umliegende Gemeinden mit der Kernstadt vereinigt. 1976 begann die Restaurierung der historischen Altstadt. Heute hat Northeim ca. 31 000 Einwohner und ist durch Partnerschaften mit Städten in Frankreich, Polen und Österreich verbunden.

Altstadt Nordheims

Altstadt Nordheims

RUNDGANG DURCH DEN HISTORISCHEN STADTKERN

Eine Erkundung der Northeimer Altstadt mit ihrem nahezu geschlossenen Bestand an Fachwerkbauten vom frühen 15. bis hin zum ausgehenden 19. Jh. beginnt mit gutem Grund auf dem Münsterplatz. Mit seiner vielgestaltigen Randbebauung ist er auch als die „gute Stube“ der Stadt bekannt. Von dieser Örtlichkeit gingen vor rund 1200 Jahren erste Impulse zur Siedlungsentfaltung aus. Das Kloster St. Blasien, das vom hier ansässigen Grafen Otto von Northeim geplant wurde, gilt als eine der Keimzellen Northeims. Bauliche Reste des Grafenhofes sind heute noch in Form der 1978 wiederentdeckten Grafengruft und im steinernen Sockelgeschoss der sog. Alten Lateinschule existent. Die Grafengruft ist über den heutigen Bürgersaal, den östlichen Kreuzgangflügel der im 15. Jh. gotisch erneuerten Klosteranlage zu erreichen. Zwei Treppenabsätze hinabsteigend, gelangt man zur Grablege der Northeimer Grafen. Das über dem neuzeitlichen Durchbruch zur Grabkammer angebrachte romanische Tympanon zeigt die Darstellung des Lammes Gottes. Kreuzesfahne und (abgeschlagener) Kelch symbolisieren den siegreichen Opfertod des Gottessohnes und das Glaubensgeheimnis der Eucharistie. Vier Sandsteinplatten markieren die Begräbnisplätze der geborgenen, untersuchten und wiederbestatteten Skelette. Von besonderem Interesse ist die vergrößerte photographische Abbildung der Bein- und Schädelverletzung mutmaßlich Ottos von Northeim. Wieder emporgestiegen, ergibt sich ein guter Blick auf die Spitzbogenarkaden des ehemaligen Kreuzganges mit ihrer modernen Bleiverglasung. Die eingefügten Siegel- und Wappendarstellungen umreißen die geschichtlichen und politischen Bezüge, in welche die Stadt im Verlauf der Zeit eingebunden war. Die nördliche Mauernische umfasst ein in drei Register gestaffeltes Relief von 1983, welches die Stadtgeschichte bildhaft-plastisch mit Darstellung der entsprechenden Personen nachvollziehbar macht. Als Basis dient eine Altarmensa aus klösterlicher, d. h. katholischer Zeit. Reliquiengrab und Weihekreuze in der monolithischen Sandsteinplatte lassen darauf schließen. Vom Kreuzgang aus zu betreten ist die St. Blasien- Kapelle, wahrscheinlich die Sakristei der nach Einführung der Reformation 1539 überflüssig gewordenen Klosterkirche. Insofern bewahrt die Kapelle stellvertretend Name und Patrozinium des aufgelösten Benediktinerklosters. Das spätgotische Sternrippengewölbe mit teilweise vollplastisch ausgeführten Schlusssteinen zeigt, zu welch baulicher Opulenz die Mönche sich Ende des 15. Jh. aufschwingen konnten. Im Osten, dem Altar zugewandt, findet sich der Titelheilige, St. Blasius, dem als gleichsam redendes Attribut (St. Blasien – blasen) ein Signalhorn in die Hand gegeben ist. Sein Pendant im Westen stellt den Apostel Andreas dar. In zentraler Position wurde in vielschichtiger Symbolik Maria mit dem Jesusknaben angebracht. Die nach Osten sich öffnende Fensterbahn ist mit einer modernen Verglasung versehen – in unzähligen Blautönen strömt das Licht in das Kapelleninnere.

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