NORTHEIM 3

Gruenderzeitbauten am Marktplatz in Northeim

Gruenderzeitbauten am Marktplatz in Northeim

Die Stadtverwaltung behalf sich fortan mit baulichen Provisorien unterschiedlicher Nutzungsdauer, der Platz wurde zum Abhalten der Wochen- und Jahrmärkte freigegeben. Ort des Marktgeschehens war bis dato die Breite Straße gewesen; ein Straßenmarkt, dessen lichte Weite durch Ausklappen der „Läden” notwendigerweise eingeschränkt wurde. Anders als heute kaufte der Marktbesucher nicht im, sondern an oder vom Laden herunter ein! Besichtigt man die am unteren Ende des Platzes gelegene Marktkapelle (als innerstädtischer Seniorentreff wochentags meist geöffnet), muss man zunächst die 1734 platzseitig Vorgesetzte „Alte Wache”, einen Fachwerkbau, durchschreiten. Ein Rundbogenportal führt über Treppenstufen in den Kapellenraum hinunter. Die Anfang des 20. Jh. eingebrachte Bildverglasung stellt in der östlichen Fensterbahn die ursprüngliche topographische Situation dar – viel Rathaus, wenig Marktplatz! Gegenüberliegend erkennt man unter den umlaufenden Innungswappen ein Zitat der herzoglichen Gildeprivilegierung von 1334. Beide Fenster fügte man anlässlich des Ausbaues der Kapelle zum Heimatmuseum 1912 ein. Die den Heiligen Fabian und Sebastian geweihte Kapelle hatte die Bürgerschaft in Erfüllung eines Gelübdes gegen die Pest nach der Mitte des 14. Jh. errichtet.Tiefe Einkerbungen im Gewände des sich einst zum Rathaus hin öffnenden Torbogens belegen die hoffnungsvolle Gewinnung von Steinmehl, vertrauend auf dessen pharmakologische Wirkung auch bei weniger verheerenden Krankheiten. Die beiden Gewölbeschlusssteine der doppeljochigen Kapelle bilden im Osten ein Lamm Gottes mit dem Kelch, im Westen einen gänsegestaltigen Pelikan ab. Beide Darstellungen nehmen Bezug auf den Opfertod Jesu am Kreuz. Der westlich der Kapelle gelegene Stadtraum zeigt die flächensanierte Bebauung der 1970er Jahre. Nach Abbruchmaßnahmen des Klostergutensembles entstanden die für diese Zeit typischen Architekturen. Nur eine kurze Distanz ist zurückzulegen, bis man am Ende der mit schöner Gründerzeitarchitektur bebauten Ostseite des Marktplatzes, entstanden nach Beräumung einer ausgedehnten Stadtbrandfläche 1892, die Rathausgasse betritt. Gleich linker Hand findet sich dort das seltene Beispiel einer spätmittelalterlichen Steinkammer oder Kemenate. Derartige Bauten vermochten den regelmäßig auftretenden Stadtbränden zu trotzen und schützten das in ihnen gelagerte Kaufmannsgut. Zudem verfügte eine Kemenate als luxuriöser Hausbestandteil über eine steingefasste Feuerstelle samt Rauchabzug über einen Kamin – daher denn auch der Name. Wahrhaft „steinreich” musste der Erbauer einer solchen Steinkammer gewesen sein, denn dieses kostspielige Baumaterial zu beschaffen konnte sich beileibe nicht jedermann leisten. Der weitere Rundgang führt zunächst zum Entenmarkt. Das markante Rokokofachwerk des Rumannschen Hauses mit Vorgesetzter doppelläufiger Freitreppe wurde von 1768 bis 1780 errichtet. Ab 1842 beherbergte das Gebäude die Stadtverwaltung inklusive Bürgermeisterwohnung, ehe Raummangel 1959 einen weiteren Umzug des Rathauses erzwang. Auf dem davor gelegenen Platz errichtete man 1993 das Mahn- und Denkmal für die ermordeten jüdischen Mitbürger. Vom Entenmarkt aus sollte man seine Schritte hinunter zur Holzhäuser Straße lenken. Die beschauliche Atmosphäre dort mit ihrer Anmutung „guter, alter Zeiten” darf jedoch nicht verkennen lassen, dass die Wohnhäuser und Grundstücke von insgesamt bescheidenem Zuschnitt sind. Wohnte die reiche Bürgerschaft in zentraler Lage entlang der Breiten Straße und der Mühlenstraße, fand sich zum Rande hin zunehmend ärmere Wohnbevölkerung. Auch Brauhäuser sucht man hier vergebens, doch nach liebevoller Restaurierung gewinnt man heute den Eindruck fast intimer Wohnqualität. Nach der Komplettsanierung seit den 1970er Jahren samt Entkernung und teilweise umfassender Begrünung der Hinterhöfe sicher eines der schönsten Quartiere in der Altstadt! Die Holzhäuser Straße mündet schließlich in die Häuserstraße. Abwärts blickend ist ein Mauerdurchbruch zu erkennen, der im 19. Jh. angelegt wurde, um Anschluss an die Richtung Eisenbahntrasse gelegenen Bau- und Gartengebiete zu gewinnen. Folgt man der Straße in südlicher Richtung aufwärts, sind auch hier beiderseits beeindruckende Fachwerkarchitekturen zu finden. Am oberen Ende gelangt man auf eine platzartig erweiterte Kreuzung. Linker Hand erhebt sich das Prinze- meyersche Haus, als großzügig dimensionierter Rokokofachwerkbau mit zeittypischen Segmentbogenfenstern und Zwillingsständern versehen. Einmalig für ein Northeimer Bürgerhaus zeigt die der Straße zugewandte Treppenbrüstung eine steinerne Wappentafel. Sich stadteinwärts nach rechts haltend, kommt man am Kassebeer- schen Haus vorüber. Dieses einzige in Northeim mit Schnitzwerk im Vollschmuck überzogene Fachwerkhaus stellt den typischen Vertreter eines sog. Ackerbürgerhauses dar.

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