Lüneburg

GESCHICHTE

Zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung 956 bestanden in Lüneburg bereits die Burg, das Kloster St. Michaelis auf dem Kalkberg sowie die Saline, die die Keimzellen der weiteren Entwicklung bis ins 13. Jh. unter den Billungern und dann unter den Welfen bildeten. 1247 verlieh Herzog Otto das Kind Lüneburg das Stadtrecht. Die Salzgewinnung brachte Lüneburg großen wirtschaftlichen Erfolg und Einfluss in der Hanse. Nach Rückschlägen durch den Prälatenkrieg Mitte des 15. Jh. erlebte die Stadt ab der zweiten Hälfte des 15. Jh. eine wirtschaftliche und politische Blütezeit, in der viele neue Gebäude entstanden und die Stadt ihre faktische Unabhängigkeit von ihrem Stadtherren stabilisierte. Nach der Re-formation gewannen die Fürsten wieder an Einfluss, u. a. durch die im Dreißigjährigen Krieg zu ihren Gunsten revidierte Stadtverfassung. Auch das 18. Jh. brachte keine Verbesserungen, um 1800 gehörte Lüneburg sogar für kurze Zeit zum Reich Napoleons.

Im 19. Jh. löste das Speditionswesen die Saline als wichtigsten Wirtschaftszweig ab, aber mit der Saline wurde das neue Solebad betrieben. Die In-dustrialisierung setzte sich, gefördert durch den Bahnanschluss 1847, mit dem Eisenwerk, der chemischen Fabrik der Saline und der Portlandzement-fabrik durch. Auch als Verwaltungszentrum und Sitz der Preußischen Bezirksregierung und verschiedener Gerichte gewann Lüneburg an Bedeutung. Im 20. Jh. entwickelte sich Lüneburg zum wichtigen Bildungsstandort mit Pädagogischer Hochschule bzw. Universität und einer Zweigstelle der FH Nordostniedersachsen und hat heute ca. 70000 Einwohner.

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RUNDGANG DURCH DEN HISTORISCHEN STADTKERN

Ausgangspunkt des Rundgangs ist der Marktplatz mit dem Rathaus, das zu den schönsten mittelalterlichen Rathäusern Deutschlands gehört. Ab 1230 wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg an dem Rathaus gearbeitet, so dass es keinen einheitlichen Bau, sondern ein Ensemble aus einzelnen Gebäuden darstellt. Eine Besichtigung des Rathauses ist gleichzeitig ein Spaziergang durch verschiedene Stilepochen. Gotisch sind die Gerichtslaube, der Fürstensaal, das Alte Archiv, die Kanzlei und die Bürgermeisterkörkammer. Die große Ratsstube zählt mit ihren kunstvollen Holzarbeiten zu den schönsten deutschen Renaissance-Sälen. Aus dem Barock stammen der Huldigungssaal und die Marktfassade, die von 1704 bis 1720 nach Entwürfen des Baumeisters Georg Schultz entstand. Im Turm befindet sich ein Uhrwerk mit einem Glockenspiel, das aus 41 Glocken aus Meißener Porzellan besteht. Man verlässt den Marktplatz bzw. den Ochsenmarkt nun durch die Reitende-Diener-Straße. In der Mitte des 16. Jh. stiftete der Bürgermeister Hinrik Garlop die sog. Garlopen- häuser als Wohnhäuser für die reitenden Diener der Stadt Lüneburg, die als Kuriere und Briefträger tätig waren, aber auch die Ratsherren auf den seinerzeit nicht ungefährlichen Überlandreisen begleiteten. Besondere Beachtung verdienen die Wappen der Garlops und angeheirateter Familien.

Am Anfang der Reitende-Diener-Straße liegt der Klosterhof, das ehemalige Franziskanerkloster. In den dortigen Prediger-Witwenhäusern lebten in der zweiten Hälfte des 16. Jh. die Hinterbliebenen lutherischer Geistlicher, die dafür zu Lebzeiten in die Prediger-Witwenkasse eingezahlt hatten. Der Straße Hin- ter der Bardowicker Mauer folgt man zur St. Nicolai-Kirche, die in der Mitte des 16. Jh. in der Nähe des Hafens erbaut wurde und vor allem den in der Umgebung lebenden Flussschiffern und den mit der Handelsschifffahrt verbundenen Handwerkern als Gotteshaus diente. Im Zuge zahlreicher Restaurierungen erhielt die Basilika ihre heutige Gestalt vor allem im 19. Jh. Nachdem der ursprüngliche Turm von 1587 bereits 1831 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, wurde bis 1895 ein neugotischer Neubau erstellt. Der Innenraum konnte seinen mittelalterlichen Charakter bewahren. Das Mittelschiff ist von einem achtzackigen Sternengewölbe überspannt, das einzigartig in Norddeutschland ist. Außerdem sind bedeutende gotische Malereien und Schnitzereien zu bewundern. Durch die Lüner Straße gelangt man zum Stintmarkt, auf dem früher vor allem Stint, ein im Mittelalter besonders beliebter Fisch, gehandelt wurde. Heute kann man hier einen gemütlichen Kneipenbummel unter- nehmen und das Geschehen an der Ilmenau beobachten. Am Stintmarkt ist auch Lüneburgs heimliches Wahrzeichen zu sehen: Der Alte Kran wurde bereits 1346 urkundlich erwähnt und besteht seit 1792 in seiner heutigen Form. Im 19. Jh. hob er als eine seiner letzten Lasten eine Lokomotive für die Braunschweig-Vienenburger Bahn, die von England auf dem Wasserweg nach Lüneburg transportiert worden war. Einige Schritte weiter erreicht man das Kaufhaus, das ursprünglich den Namen „Dat Heringshus” trug. Dank der reichen Salzvorkommen brachten die Verarbeitung und der Handel mit dem Ostseehering hohe Gewinne ein. 1959 wurde das Kaufhaus mit Ausnahme der 1742 erbauten Barockfassade durch Brandstiftung zerstört. Die Lüner Mühle und die Abtsmühle stammen aus dem 16. Jh. und waren bis in das 20. Jh. in Betrieb. Während die Lüner Mühle für das Kloster Lüne arbeitete, gab das Michaeliskloster die Abtsmühle an eine Ratsfamilie weiter. Durch den 1530 erbauten Turm, die „Abtswasserkunst”, wurde Wasser in die Stadt geleitet und auf diesem Wege einzelne Patrizierhäuser mit Wasser versorgt. Das historische Gebäudeensemble gehört heute zu einem Hotel. Durch die Ilmenaustraße und die rechts abzweigende Conventstraße kommt man zur Straße Am Berge, in der das älteste datierbare Bürgerhaus der Stadt steht. Das 1466 errichtete Brömse-Haus wurde nach seinem vermuteten Erbauer und Besitzer Dietrich Brömse benannt und weist ein reich profiliertes gotisches Portal auf. Am Ende der Straße erhebt sich die St. Johanniskirche. Bereits 1297 als Taufkirche erwähnt, zählt sie zu den ältesten Niedersachsens und diente als Vorbild für viele norddeutsche Hallenkirchen. Zu einem Wahrzeichen der Stadt hat sich mittlerweile der 108 m hohe, nach Südwesten geneigte Kirchturm entwickelt. In der fünfschiffigen Hallenkirche mit beinahe quadratischem Grundriss befanden sich einst 39 Altäre. Der berühmte Hochaltar mit Gemälden von Hinrik Funhoff und die Orgel mit prächtigem Barockprospekt lohnen eine nähere Betrachtung. Hier erlernte der junge Johann Sebastian Bach das Orgelspielen von seinem Onkel Georg Böhm, der von 1698 bis 1733 als Kantor und Komponist an der St. Johanniskirche wirkte. Die Ratswasserkunst sollte einst die „Abtswasserkunst” übertreffen und versorgte die Saline mit Frischwasser, das durch ein kompliziertes Pumpen-system aus Holz transportiert wurde. Der neugotische Wasserturm entstand 1906/07 auf Resten mittelalterlicher Wallanlagen und steht nach seiner Stilllegung seit 1985 unter Denkmalschutz. Die Aussichtsterrasse in 56 m Höhe eröffnet herrliche Ausblicke auf Lüneburg und Umgebung, bei gutem Wetter von Hamburg bis Uelzen.

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