LINGEN 3

Ein kleines Stück weiter steht das Haus Wichmann, das anhand von eisernen Mauerankern auf das Jahr 1655 datiert werden konnte und als zwei-geschossiges Fachwerkhaus mit Dachgeschoss und Treppengiebel zur Burgstraße erbaut wurde. Die alte acksteinfassade liegt unter Putz. Ein dezent verziertes Sandsteinportal, vermutlich aus dem 18. Jh„ umrahmt die Haustür. Das Haus Wichmann ist ein typisches Beispiel für den nieder-ländischen Baustil, der sich im 17. Jh. über ganz Norddeutschland verbreitete und gekennzeichnet ist durch Fassaden mit Treppengiebeln und sichtbares Ziegelmauerwerk mit Sandsteinelementen. Am Standort des Hauses Wichmann und der angrenzenden Gebäude verlief einst der Burggraben, der im 17. Jh. zugeschüttet und überbaut wurde. Den Pulverturm, den letzten Überrest der im 17. Jh. abgetragenen Lingener Festung, erreicht man durch die gleichnamige Straße. Im Kern stammt er aus dem späten Mittelalter und wurde 1961 von den „Kivelingen” auf den alten Fundamenten neu errichtet. Die barocke Toranlage vor dem malerischen Garten des Pulverturmes gehörte einst zum Haus des oranischen Drosten Rutger von Haer- solte an der Lookenstraße. Vom Pulverturm geht man auf der Castellstraße bis zur Kreuzung, folgt dann der Marienstraße nach links und biegt nach kurzer Zeit rechts ab. Der Parkhaushügel zeigt, wie Parkmöglichkeiten optimal in eine Gartenanlage inte- griert werden können. Der Machurius- brunnen am Fuße des Hügels wurde vom Lingener Maler und Bildhauer Friedrich Kunst gestaltet und der Stadt 1972 von den Kivelingen geschenkt. Der Legende nach sprachen die Lingener Bürger über den bösen Geist Machurius als Strafe für seine schlimmen Taten einen Bann aus. Er durfte die Stadt erst wieder betreten, wenn es ihm gelänge, einen mit Wasser gefüllten Eimer nach Lingen zu bringen. Da der Eimer durchlöchert war, kam der Geist nur einen Hahnenschritt pro Jahr voran und wurde nie wieder in der Stadt gesehen. Durch die Marienstraße und die Lookenstraße gelangt man zum Andreasplatz. Im ganzen Lingener Stadtgebiet entstehen durch das Zusammentreffen von abknickenden und versetzt verlaufenden Straßen solche reizvollen Plätze. Seinen Namen erhielt der Andreasplatz vom berühmten Medicus Andreas Wesken, der im 17. Jh. seine Patienten in seinem Haus an diesem Platz behandelte. Vermutlich stiftete er auch die Figur des Heiligen Andreas von 1695 am Haus Lookenstraße 10. Man geht nun weiter durch die Lookenstraße bis zum Konrad-Adenauer-Ring, dem man kurz nach links folgt, bis wiederum nach links die Synagogen-straße abzweigt. Die Jüdische Schule wurde 1878 zusammen mit einer Synagoge errichtet. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in der Schule jüdische Kinder unterrichtet. In der Reichspogromnacht wurde das Gotteshaus zerstört, während das Schulgebäude erhalten blieb, 1939 in Privatbesitz überging und u. a. als Pferdestall genutzt wurde. Seit 1988 steht die Schule unter Denkmalschutz und wurde 1998 von der Stadt Lingen erworben und restauriert. Als eines von wenigen erhaltenen Gebäuden zeugt sie heute von den einst im Emsland ansässigen jüdischen Gemeinden. Eine Dauerausstellung dokumentiert die Geschichte der Lingener Juden vom 17. Jh. bis zu den Deportationen der letzten jüdischen Familien 1941/42 nach Riga und Theresienstadt, wo die meisten von ihnen ermordet wurden. Die Synagogenstraße mündet in die Bernd-Rosemeyer-Straße, an der sich der Bahnhof befindet. Das stattliche Gebäude – Bahnhöfe waren damals die Visitenkarten der Eisenbahngesellschaften – wurde 1860 nach Entwürfen der Königlich-Hannoverschen Eisenbahn-Direction errichtet und ist von Symmetrie geprägt: Die beiden Seitenflügel sind ebenso spiegelbildlich gleich wie die Fassade des Bahnhofsvorplatzes und die Bahnsteigseite. Nach einer Sanierung im Jahr 2004 erstrahlen die Ziegelmauern wieder in altem Glanz. Wie der Bahnhof entstanden auch die Hallen des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks im Zuge des Baus der Hannoverschen Westbahn von Hannover nach Emden. Die Industriehallen wurden 1854 bis 1858 als Reparaturwerkstatt erbaut und bis 1919 durch Anbauten erweitert. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war das Ausbesserungswerk einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt mit über 2000 Mitarbei- tern zu Beginn des 20. Jh. Im Jahr 2000 kaufte die Stadt Lin-gen das Werksgelände und baute die Hallen 31 und 51, die 1856 errichtet wurden und damit die ältesten noch erhaltenen Gebäude auf dem Grundstück sind, zu einem IT-Dienst- leistungszentrum mit Büro- und Laborräumen sowieVeranstaltungsflächen um. In den Hallen I bis III werden zukünftig einige Institute der Fachhochschule Osnabrück/Standort Lingen und die Berufsakademie Lingen untergebracht sein. Die 1908 erbaute Halle IV erwarb die Stadt bereits Ende der 1980er-Jahre und restaurierte sie ab 1992. Das Innere der vierschiffigen Halle wurde nach dem „Haus-im-Haus-Prinzip” gestaltet. Die einzelnen Raumelemente sind durch Flure, Treppen und Übergänge verbunden, und die daraus entstehenden Straßen, Wege und Plätze wirken wie eine überdachte Stadt. Der Komplex vereinigt „Medien – Wirtschaft – Kunst unter einem Dach”. Seit 1997 zeigt die Kunsthalle des Kunstvereins Lingen hier Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst von international renommierten, aber auch jungen Künstlern. Die Halle IV beherbergt außerdem ein Radiostudio, Tagungsräume für 200 Personen, einige Bereiche der Fachhochschule Osnabrück/Standort Lingen, mehrere Wirtschafts- und Medienunternehmen sowie ein Bistro. Vom Bahnhof überquert man die Bernd-Rosemeyer-Straße und kehrt durch die Marienstraße zurück zum Ausgangspunkt „Am Markt”.

Illuminierte Fußgängerunterführung am Bahnhof

Illuminierte Fußgängerunterführung am Bahnhof

SCHAUEN

Vom Wasserturm, dessen oberer Bereich als Ausstellungsraum und Trauzimmer dient, genießt man eine herrliche Aussicht über die Stadt. Auf der Wilhelmshöhe befinden sich inmitten einer schönen Parkanlage mehrere kulturelle Highlights wie das Theater, ein Kino und ein Restaurant. Durch Lingen führen attraktive Radwanderrouten, wie die Emsland- Route und der Emsradweg. Die Oranierroute führt auf ca. 1800 km durch Städte und Regionen in Deutschland und den Niederlanden, die historische Verbindungen mit dem Hause Oranien-Nassau besitzen, und bietet sowohl landschaftliche als auch kulturhistorische Höhepunkte. Auch Lingen (Ems) gehört dazu! Vielseitige Wassersportmöglichkeiten bietet der nördlich von Lingen gelegene Speichersee Geeste. Das Kivelingsfest entführt seine Besucher alle drei Jahre in das Mittelalter mit historischem Markt, Festumzug und Krönungszeremonie. Bei Ems-Schifffahrten kann man die malerische Flusslandschaft genießen.

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