HAMELN

Die „Rattenfängerstadt” liegt im idyllischen Weserbergland. In der liebevoll und aufwändig sanierten Altstadt zeugen viele historische Gebäude im Stil der Weserrenaissance vom Wohlstand der einstigen Hansestadt. Ein Musical und ein Freilichtspiel lassen die Rattenfängersage lebendig werden.

ANFAHRT

■ B 217 von Hannover. ■ B 1 von Paderborn. ■ B 83 aus Richtung Rinteln bzw. Höxter. ■ Bahnhof mit S-Bahnanschluss vom ICE-Bahnhof Hannover.

Leist-Haus

Leist-Haus

GESCHICHTE

Um 800 gründete die Reichsabtei Fulda am Weserübergang ein Benediktinerkloster. Im 11. Jh. wurde Hameln Marktort, um 1200 erfolgte die erstmalige Erwähnung als Stadt („civitas”). Herzog Albrecht von Braunschweig bestätigte die bereits bestehenden Rechte der Stadt 1277 mit einem Privileg. Im Jahre 1284 ereignete sich die „Rattenfängersage”: Ein Rattenfänger, der von den Bürgern der Stadt Hameln keinen Lohn für seine erfolgreiche Arbeit erhalten hatte, soll sich gerächt haben, indem er mit seinem Flötenspiel die Kinder der Stadt anlockte und entführte. 1426 trat Hameln der Hanse bei, verließ den Städtebund jedoch 1572 wieder. Die lange Tradition von Hameln als Mühlenstadt begann 1635 mit dem Bau der ersten Mühle auf dem Werder. Um 1664-1684 wurde Hameln zur welfischen Festung ausgebaut. 1734 wurde eine unter staatlicher Leitung errichtete Weserschleuse eröffnet. Während des Siebenjährigen Krieges stand Hameln unter wechselnder französischer und englischer Besatzung. 1819 passierte der erste Weserdampfer die Stadt. Auf Befehl Napoleons wurden 1808 die Festungsanlagen geschleift. Um 1829/32 setzte die Industrialisierung in der Textilbranche und in der Papiererzeugung ein. Für einen leichteren Zugang zur Stadt sorgte die 1839 erbaute, neue Hängebrücke über die Weser. 1866 wurde Hameln mit dem Königreich Hannover preußisch, ein Jahr später selbstständige Stadt in der neuen Provinz Hannover. Die Eröffnung der Bahnlinie Hannover – Hameln – Altenbeken im Jahre 1872 verlieh Hameln einen weiteren Aufschwung. Im Zweiten Weltkrieg verursachten die Sprengung der Brücken sowie Brände heftige Zerstörungen in der Stadt. Die vorbildliche Sanierung der Altstadt (ab 1969) und die Einrichtung von Fußgängerzonen (ab 1975) ermöglichen es dem Besucher bis heute, das historische Flair zu genießen. Mit 60 000 Einwohnern ist Hameln heute das wirtschaftliche, kulturelle und touristische Zentrum des Weserberglandes.

RUNDGANG DURCH DEN HISTORISCHEN STADTKERN

„Auf den Spuren des Rattenfängers”, die auch auf dem Straßenpflaster zu erkennen sind, beginnt der Rundgang an der Garnisonkirche, die von den Hamelnern wegen der oxidierten Kupferhaube ihres achteckigen Dachaufbaus auch „Grüner Reiter” genanntwird. Die 1713 erbaute Kirche diente bis 1843 der Garnison Hameln als Gotteshaus. Von 1830 bis 1835 wirkte hier der Theologe und Dichter geistlicher Lieder Karl Johann Philipp Spitta als Garnisonprediger und Gefängnisseelsorger. Seit 1929 ist in dem Gebäude die Stadtsparkasse untergebracht. Gegenüberder Garnisonkirche steht das 1602/03 errichtete Rattenfängerhaus, welches seinen Namen seit ungefähr 1900 wegen einer Inschrift an der Bungelosen- Straße trägt: „ANNO 1284 AM DAGE JOHANNIS ET PAULI WAR DER 26 JUNII DORCH EINEN PIPER MIT ALLERLEI FARVE BEKLEIDET GEWESEN CXXX KINDER VERLEDET BINNEN HAMELEN GEBON TO CALVARIE Bl DEN KOPPEN VERLOREN” (= „Im Jahre 1284 am Tage Johannis und Pauli war der 26. Juni durch einen Pfeifer mit allerlei Farbe bekleidet gewesen 130 Kinder in Hameln geboren zu Kalvarie bei den Koppen verloren”). Erbauer des Hauses war der Ratsherr Hermann Arendes. Das Gebäude zeigt alle Stilelemente der Weserrenaissance, die sich durch reiche Giebelverzierungen, Schmuckleisten mit Wappen und Inschriften sowie kunstvoll geschmückte Erkerausbuchtungen, so genannte „Utluchten”, auszeichnet. Sowohl die Verzierungen an der Fassade als auch der große Saal weisen auf die repräsentative Funktion des Gebäudes hin. Der Rundgang führt weiter durch die Osterstraße. Hs. Nr. 12 wurde 1576 im Auftrag des Ratsherren Jost Rike errichtet und mit niederländisch inspirierten Elementen der Renaissance gestaltet. In einer rautenförmigen Öffnung des Schweifgiebels erblickt man einen vollplastischen „Neidkopf“. Das Portal wird eingerahmt von zwei schlichten „Utluchten”. Ebenfalls in der Osterstraße steht das Leisthaus, das Cord Tönnies für den Patrizier und Kornhändler Gerd Leist 1585/89 erbaute. Die mit Elementen der späten Weserrenaissance reich geschmückte Fassade ist teilweise noch im Originalzustand erhalten: Die Werksteingliederung durch Säulen, Gesimse, das Roll- und Beschlagwerk und die Giebelkonstruktion mit Voluten und Obelisken stammen ebenso aus der Erbauungszeit wie die Utlucht mit acht Tugendallegorien auf dem Brüstungsfries, einer vollplastischen Lukretia-Figur im Giebelfeld und einem vergoldeten Neidkopf in der Giebel-spitze. Neid- und Abwehrköpfe sollten nicht etwa den Betrachter erschrecken, sondern Neid und Unheil, z. B. durch Brand, Flochwasser, Missernten, Hungersnot und Krankheiten, vom Haus abhalten. Die Wandflächen wurden im Zuge der letzten Restaurierung mit Ziegelsteinstruktur bemalt, die auf niederländischen Einfluss hindeutet und in der Weserregion in dieser Form der Bauornamentik einzigartig ist. Seit 1975 ist das Leisthaus durch eine Brücke im ersten Obergeschoss mit dem Stiftsherrenhaus verbunden, das sich auf der gegenüberliegenden Seite des Michaelishofes befindet. Friedrich Poppendiek, Kaufmann und Bürgermeister, ließ das Stiftsherrenhaus im Jahre 1558 erbauen. In drei Bereichen der Fassade ist reicher ornamentaler und figürlicher Schmuck zu sehen, nämlich zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss, zwischen dem 1. und dem 2. Obergeschoss und unter der Dachtraufe. Neben den antiken Planetengöttern in derTrauf- zone erkennt man viele biblische Motive: Gottvater, Christus, Apostel, David, Simson, Kain und Abel. Seinen Namen erhielt das Stiftsherrenhaus, da so zahlreiche religiöse Bildwerke nur einem geistlichen Herren zugetraut wurden. Im Stiftsherrenhaus und im Leisthaus ist das Stadtmuseum untergebracht, das anhand interessanter Exponate die Stadtgeschichte, das Hamelner Kunsthandwerk und die Rattenfängersage dokumentiert.

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