HAMELN 2

Diese ständigen Ausstellungen werden durch Sonderpräsentationen bereichert. Nun geht man weiter durch die Osterstraße bis zur Kreuzung mit der Emmernstraße, in die man rechts einbiegt. Am Pferdemarkt erreicht man die Skulptur „Die Öffnung des Eisernen Vorhangs”, die vom Bildhauer Wolfgang Dreysse aus Quedlinburg in Form einer Lit- fasssäule gestaltet wurde. Die Hamelner Firma Adolf Vogeley nahm 1992 ihr 100- jähriges Jubiläum zum Anlass, die Skulptur zu stiften. Der Firmeninhaber Hans-Wilhelm Vogeley wollte den Wegfall der innerdeutschen Grenze zum Thema des Kunstwerks machen. Die Skulptur erzählt von den Begebenheiten nach der Grenzöffnung. Unter den Figuren erkennt man u. a. die Frauengestalt aus Delacroix’ Bild „Die Freiheit führt das Volk auf die Barrikaden”, den Quedlinburger Bürgermeister mit seinem Rathaus im Arm, eine Kerze als Symbol des friedlichen Umschwungs im Herbst 1989 – und ein Vogelnest als Anspielung auf den Auftraggeber. Der Markt, der an den Pferdemarkt anschließt, wird überragt von der Marktkirche St. Nicolai, die 1220-1230 als frühgotische Gewölbebasilika auf den Fundamenten zweier älterer Gotteshäuser errichtet wurde. Um die Mitte des 13. Jh. erfolgte der Umbau zur Hallenkirche aus Bruch- und Sandsteinquadern. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Marktkirche durch Kriegseinwirkungen mehrfach zerstört. Besonders schlimm wurde das Gotteshaus von einem Artillerieangriff am 5.4.1945 getroffen und brannte ab. In den Jahren 1957-59 erfolgte der Wiederaufbau in äußerlich unveränderter Form. Durch die Ritterstraße verlässt man nun den Markt und erreicht geradeaus durch die Neutorstraße und dann rechts entlang des Kastanienwalls die beiden letzten noch erhaltenen Türme der ehemaligen Stadtbefestigung, die 1808 unter Napoleon I. geschleift wurde. Der erste Turm wurde 1333 erwähnt, später existierten 22 Türme. Der Haspelmathturm wurde um 1500 errichtet. Benannt wurde der Turm nach dem Hamelner Tierarzt Friedrich Haspelmath, der den Stadtturm kaufte und als Ausstellungsraum für seine Kunstsammlung nutzte. Später wurden die Werke dem Kunstverein übergeben und sind heute im Museum Hameln zu sehen. Seit der Sanierung 1991 beherbergt der Turm die Künstlergruppe Arche. Der Pulverturm entstand ebenfalls im Mittelalter. Eine Sanierung und die Erweiterung durch einen Anbau erfolgten 1995. Seither befindet sich im Turm die Glashütte Hameln, in der man Glasbläsern bei ihrer Arbeit zusehen und die hochwertigen Produkte auch erwerben kann. Zur Glashütte gehören des Weiteren eine Glasgalerie, wechselnde Glaskunstausstellungen und die Glasgravurabteilung.

St. Nicolai Kirche in Hameln

St. Nicolai Kirche in Hameln

Die zwischen Haspelmath- und Pulverturm verlaufende Stadtmauer wurde 1990-94 in ihrer ursprünglichen Form neu aufgebaut. Auf bekanntem Weg kehrt man wieder zurück zum Markt. Rechter Hand, an der Kreuzung Markt/Zehnthofstraße, erblickt man das Dempterhaus, das 1607/08 für den Bürgermeister Tobias von Deventer (oder Dempter) errichtet wurde, wie auch die lateinische Inschrift über dem Eingang besagt: „Tobias von Dempter und Anna Bocks ließen mich erbauen”. Die Eltern Tobias von Dempters hatten im 16. Jh. die Niederlande (Deventer) aus religiösen Gründen verlassen. Bänderungen gliedern die Fassade in der Horizontalen. Glatte, unbehandelte Bänder wechseln sich ab mit Bändern aus Bossenquadern, die kleine, gleichmäßige Einkerbungen aufweisen, den sog. „Kerbschnitt”. Die darüber liegenden ehemaligen Speichergeschosse und die Dachgeschosse wurden in Fachwerkbauweise mit reicher Beschlagwerkornamentik ausgeführt. Diese Verzierungen gehen auf das Schmiedehandwerk zurück und erinnern an Beschläge von hölzernen Truhen oder Türen. Zusätzlich aufgelockert wird die Sandsteinfassade durch die elegante Utlucht mit ihrer interessanten Bekrönung. Ebenfalls am Markt, an der Einmündung der Osterstraße, befindet sich das Hochzeitshaus, das letzte im Stil der Weserrenaissance errichtete Gebäude in Hameln. Es entstand 1610-17 als Fest- und Feierhaus der Bürgerschaft. Bereits ein Jahr nach der Fertigstellung hemmte der Dreißigjährige Krieg die Bautätigkeit. Die Schmuckelemente am Haus erinnern stark an die Gestaltung des Schlosses Hämelschenburg, so dass beide Bauwerke dem aus Barntrup stammenden Eberhard von Wilkening zugeschrieben werden. An den Stirnseiten des Renaissancebaus fallen besonders die hohen Volutengiebel auf. Unter den kunstvoll geschmückten Giebeln der Zwerchhäuser an der südlichen Traufenseite befanden sich die Eingänge zu einer Weinschänke, der Ratswaage und der Rats-Apotheke, die ab 1821 von Friedrich Wilhelm Sertürner, dem Entdecker des Morphiums, geleitet wurde. Der große Festsaal war im zweiten Stockwerk untergebracht. Vom Glockenspiel ertönt täglich um 9.35 Uhr das Rattenfängerlied „Wandern ach wandern durch Berg und Tal“ und um 11.35 Uhr das Weserlied „Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen”. Um 13.05 Uhr, 15.35 Uhr und 17.35 Uhr stellt das Figuren- und Glockenspiel die Rattenfängersage dar. Seit 2005 ist im Hochzeitshaus eine Ausstellung der „Erlebniswelt Renaissance” untergebracht. Dieses Kultur- und Freizeitprojekt vernetzt Stadtensembles und Schlösser und zeigt verschiedene Aspekte der Renaissance-Epoche und ihre spannenden Parallelen zur Gegenwart. Im Hochzeitshaus dokumentiert die Erlebnisausstellung auf einer Fläche von 1200 mJ alles Wissenswerte zu den Themenbereichen Alltag, Kunst und Wissenschaft in der Renaissance. Durch die Fischpfortenstraße, die an der Südwestecke des Marktes beginnt, erreicht man das Wilhelm- Busch-Haus. Der berühmte Zeichner und Dichter besuchte hier gelegentlich Verwandte. Das Gebäude wurde Mitte des 16. Jh. als giebelständiges, dreigeschossiges Haus mit Vorkragungen des 2. Ober- und Dachgeschosses errichtet. Die beiden unteren Geschosse waren ursprünglich in der älteren Ständerbauweise konstruiert. Um 1850 erfolgte eine Neugestaltung der Fassade in Stockwerksbauweise. Das Fachwerk ist mit Fächerrosetten und Flechtbändern reich verziert. Mit Perlstäben besetzte Taubänder schmücken die Füllhölzer und Schwellen. Nun folgt man der Fischpfortenstraße bis zur Weser, biegt rechts ein in die Sudetenstraße und gelangt schließlich linker Hand zur Pfortmühle.

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