GOSLAR

Die „Tochter des Berges”, wie der Arzt und Humanist Euricius Cordes Goslar 1522 metaphorisch bezeichnete, zählt zu den schönsten Städten im Harz. Die Altstadt und das ehemalige Erzbergwerk Rammeisberg zählen seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit.

ANFAHRT

■ A 7 Göttingen – Hannover, Ausfahrt Rhüden (Harz). ■ B 6 von Salzgitter bzw. Wernigerode. ■ B 241 von Osterode am Harz. ■ Bahnhof mit RB- und RE-Anschluss.

GESCHICHTE

Im 10. Jh. entwickelte sich eine Bergbausiedlung im Tal an der Gose allmählich zur Stadt Goslar. 1005,1009 und 1015 wurde erstmals eine Pfalz in Goslar erwähnt, wohl ein Vorgängerbau der heutigen Kaiserpfalz. Im 11. und 12. Jh. wuchs Goslar zu einer mittelalterlichen Großstadt mit fast 5000 Einwohnern, Stadtbefestigung und insgesamt 9 Kirchen heran, deren wirtschaftliche Basis Bergbau und Hüttenwesen bildeten. Unter den Staufern wurde die Kaiserpfalz damals nach zwischenzeitlichem Bedeutungsverlust wieder ein wichtiger Herrschaftsort. Goslar bekam 1330 das Stadtrecht verliehen und wurde bald darauf Freie Reichsstadt. 1356 erwarb Goslar Gericht und Zehnten am Rammeisberg pfandweise vom Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel, das jedoch seit 1 525 von seinem Rückkaufsrecht Gebrauch machen wollte und die Rückgabe im „Riechenberger Vertrag” von 1552 schließlich auch durchsetzte. Bis dahin erlebte Goslar eine wirtschaftliche Blütezeit, in der das heute noch größtenteils erhaltene mittelalterliche Stadtbild entstand. 1528 wurde in Goslar die Reformation eingeführt, während das Herzogtum katholisch blieb. Durch den Fürstenabsolutismus und den beginnenden Überseehandel wurde die Freie Reichsund Hansestadt Goslar Mitte des 16. Jh. zum unbedeutenden Landstädtchen. Der Dreißigjährige Krieg sowie zwei Stadtbrände 1728 und 1780 brachten Leid und Zerstörung mit sich. 1802 gelangte Goslar in preußischen Besitz und verlor seinen Status als Freie Reichsstadt, profitierte aber von der Integration in einen Staatenverband und zahlreiche Reformen. Nach der Entdeckung neuer Erzvorkommen im Rammeisberg 1859 gewann das Bergwerk wieder an Bedeutung. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt ohne Bombenangriffe. 1988 wurde der Bergwerksbetrieb eingestellt und die Anlage in ein Besucherbergwerk und Bergbaumuseum von interna tionalem Rang (seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe) ausgebaut.

Goslars Marktplatz

Goslars Marktplatz

RUNDGANG DURCH DEN HISTORISCHEN STADTKERN

Ausgangspunkt des Rundgangs ist der Marktplatz, das Herz der Altstadt. Der Marktbrunnen bildet das Zentrum des Marktplatzes und besteht aus Elementen aus mehreren Jahrhunderten. Die untere Brunnenschale entstand im 12. Jh. als größter romanischer Bronzeguss überhaupt. Etwa 100 Jahre später wurde die obere Schale mit ihrem Sockel ursprünglich als eigenständiger Brunnen geschaffen. Der Korpus des Adlers, der den Brunnen als Symbol der Stadt krönt, stammt aus dem frühen 13. Jh., die Krone wahrscheinlich erst aus dem 18. Jh. Das Rathaus wurde ebenfalls über mehrere Jahrhunderte hinweg errichtet. Mit dem Bau des Ostflügels, dessen Arkaden sich zum Marktplatz öffnen, wurde Mitte des 15. Jh. begonnen.

In den folgenden 400 Jahren kamen immer wieder neue Anbauten hinzu. Seine heutige Gestalt erhielt das Rathaus vorwiegend im 16. Jh., der Blütezeit der Freien Reichs- und Hansestadt. Die Freitreppe wurde 1537 angebaut. Bis heute dient das Rathaus als Amtssitz des Oberbürgermeisters. Die Rathausdiele, in der der Stadtrat tagt, ist mit einem Geweihleuchter aus dem 15. Jh. und einem schönen Sternenhimmel an der Holzdecke geschmückt. Der Huldigungssaal im Rathaus entstand zwischen 1505 und 1520 als Ratssitzungssaal. Die Wände, die Decke und die Fensternischen sind komplett mit Tafelgemälden ausgekleidet, von denen jedes einzelne als hochwertiges Kunstwerk, gekrönt von Rankenschnitzwerk, zum imposanten Raumeindruck beiträgt. Nach einer aufwändigen Restaurierung schützt heute moderne Sicherheits-, Licht- und Klimatechnik den Huldigungssaal vor dem Verfall. An der Ostseite des Marktplatzes zieht das Kämmereigebäude alle Blicke auf sich, wenn das Glockenspiel mit Figurenumlauf (täglich um 9, 12,15 und 18 Uhr) die Geschichte des Rammeisberger Bergbaus von der sagenumwobenen Entdeckung durch den Ritter Ramm bis zur Neuzeit erzählt. Die Firma Preussag stiftete das Glockenspiel 1968 anlässlich des 1000-jährigen Bestehens des Rammeisberger Bergbaus. In direkter Nachbarschaft zum Rathaus entstand 1494 die Kaiserworth als Gildehaus der Tuchhändler und Gewandschneider, die mit der prunkvollen Gestaltung des Gebäudes ihren Einfluss und Wohlstand zeigten. Durch die mehrfache Überbauung der Fassade sind verschiedene Stilrichtungen zu erkennen. Die barocken Kaiserfiguren stehen in gotisch geschmückten Nischen. Eine Besonderheit ist das Dukatenmännchen an der Ecke Worthstraße. Die Konsol- figur wurde schon ganz unterschiedlich interpretiert: Sie könnte als Rechtsdenkmal an den brutalen Brauch erinnern, säumige Schuldner mit nacktem Gesäß auf einen Stein aufzustauchen. Ähnlich wie ein Goldesel könnte das Dukatenmännchen aber auch den Menschheitstraum symbolisieren, ohne Arbeit zu Geld im Überfluss zu kommen. Seit beinahe 200 Jahren ist in der Kaiserworth das gleichna- mige Hotel untergebracht. Überragt wird der Marktplatz von der Marktkirche St. Cosmas und Damian, die in der Mitte des 12. Jh. nach dem Vorbild des Goslarer „Doms” erbaut wurde. Die romanischen Glasfenster stellen das Martyrium der Schutzheiligen dar. Zur sehenswerten Innenausstattung gehören ein Taufbecken, die Kanzel aus der Renaissance und der barocke Altar. Mit wenigen Schritten erreicht man vom Marktplatz den Schuhhof, den alten Marktplatz. Das Gildehaus der Schuhmacher und Lohgerber, ein Fachwerkbau mit Arkadengang, wurde nach einem Brand 1780 neu aufgebaut. Man verlässt den Schuhhof durch die Münz-Straße und gelangt zum Zinnfigurenmuseum, das in einem Ausspann aus dem 17. Jh. untergebracht ist und anhand von Zinnfiguren-Dioramen die 1000-jährige Geschichte des kaiserlichen, bürgerlichen und kirchlichen Goslar und des Bergbaus am Rammeisberg zeigt. Sonderausstellungen ergänzen die Dauerpräsentation. Durch den Münzgarten erreicht man die Marstallstraße und die Marktstraße, der man nach links zum Bäckergildehaus folgt. Ein Wappenstein datiert den steinernen Unterbau auf um 1501, das Fachwerkobergeschoss mit Erker wurde 1557 aufgesetzt. Durch die Marktstraße kehrt man zurück zum Marktkirchhof, wo sich am Beginn des Hohen Weges das Brusttuch befindet, ein vor allem im Bereich des ehemaligen Speichergeschosses reich geschmücktes Patrizierhaus, das heute ein Hotel beherbergt. Der Hohe Weg verbindet den Markt- und den Pfalzbezirk mit der Königsbrücke. Ein Stück weiter erreicht man das Musikinstrumente- und Puppenmuseum. Die international bekannte Privatsammlung führt ihre Besucher anhand von interessanten Exponaten wie einer Geige aus Meißener Porzellan oder Rock ‘n’ Roll- Gitarren durch die Musikgeschichte. Nostalgie versprühen das historische Spielzeug sowie die Puppen und die Puppenstuben.

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