BRAUNSCHWEIG 4

Kirchenglocken von St. Martini in Braunschweig

Kirchenglocken von St. Martini in Braunschweig

Von dort geht man links in die Brabandtstraße und erreicht den Altstadtmarkt. Der Platz wurde vor etwa 700 Jahren angelegt und war das Zentrum des Weichbildes Altstadt. Im Mittelalter fanden hier alle wichtigen Ereignisse des öffentlichen Lebens statt, wie Prozessionen, Reiterspiele und natürlich der Markthandel, aber auch Hinrichtungen. Natürlicher Mittelpunkt des Platzes ist der Marienbrunnen. Dieses einzigartige Monument spätgotischen Kunsthandwerks wurde 1408 aus Blei gegossen und war mit biblischen sowie reichs- und stadtgeschichtlichen Motiven verziert. Nach weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg existieren seit 1988   nur noch diese Kopie und einige Fragmente des Originals im Altstadtrathaus. Dieses befindet sich zur Rechten und besteht aus zwei rechtwinklig zusammenstoßenden Flügeln. Es ist eines der schönsten Baudenkmäler der Gotik. Im Bürgermeisterzimmer und im großen Saal des Hauptgebäudes, der Dornse (= Gute Stube), finden heute offizielle Empfänge der Stadt, Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Im Erdgeschoss lohnt das mittelalterliche Stadtmodell aus der Sammlung des Städtischen Museums eine Besichtigung. An einem der Pfeiler findet sich die Braunschweiger Elle (57,07 cm), die vor allem den Tuchhändlern als Maß diente. Auf dem darüber liegenden rechtwinkligen Balkon finden sich neun interessante Pfeilerfiguren von Hans Hesse aus dem 15. Jh. Sie stellen ottonische und welfische Kaiser, Könige und Herzoge mit ihren Frauen dar. Der Vorgän-gerbau des Altstadtrathauses als Zeichen der Selbstverwaltung der Altstadt ist schon um 1253 nachweisbar. Auf der anderen Straßenseite erhebt sich die St. Martini-Kirche. Wie alle Kirchen in der Stadt, ist sie romanischen Ursprungs. Noch Ende des 12. Jh. war durch die Förderung Heinrichs des Löwen die Besiedlung im Umfeld der Burg so weit gewachsen, dass die Bewohner mit dem Bau großer Kirchen begannen. Durch diese Pfarrkirchen wollten die Weichbilde ihre Selbstständigkeit innerhalb der Gesamtstadt unterstreichen. Mit dem Bau der St. Martini-Kirche wurde 1190- 1195 begonnen. Als Grundlage diente das Planschema des Doms. Nachdem sie als dreischiffige Pfeilerbasilika begonnen wurde, erfolgte 1250-1400 der Umbau zu einer gotischen Hallenkirche. Dem bis dahin kastenförmigen Hallenraum wurde um 1400 das Chorpolygon angebaut. Ab 1434 wurde das zweite Joch des südlichen Seitenschiffs durch die Annenkapelle erweitert, die mit ihrem spätgotischen Innenraum auf jeden Fall eine Besichtigung lohnt. Ebenfalls se-henswert ist das Taufbecken mit dem Bronzerelief von der Verkündigung des Pfingstwunders. Von der romanischen ßauphase sind der Westbau mit Teilen einer romanischen Glockenstube und die beiden westlichen, beim Umbau versetzten Seitenschiffportale erhalten. Das Turmwerk ist damit das einzige der Braunschweiger Kirchen, das noch in romanischer Zeit vollendet wurde. Eine weitere Besonderheit für Braunschweig sind die gleich hohen Türme. In der Nachbarschaft der St. Martini-Kirche befindet sich das Gewandhaus. Dieses diente früher den Gewandschneidern, der vornehmsten Gilde der Stadt, als Kaufhaus. Es wurde erstmals 1303 erwähnt. Besonders ins Auge fällt die Renaissance- Fassade am Ostgiebel des Hauses. Diese Schaufassade zählt in Deutschland zu den bedeutendsten ihrer Art. In dem Gebäude hat heute die IHK ihre Geschäftsräume. Auf der dem Altstadtrathaus abgewandten Seite der Kirche befindet sich das Landschaftliche Haus. Hier war der Sitz des Landtags des Landes Braunschweigs. Heute ist darin das Amtsgericht untergebracht. Zurück auf dem Altstadtmarkt bietet sich ein letzter Abstecher an. Wer den Abstecher auslassen möchte, geht die Gördelingerstraße wieder zurück bis zur Neuen Straße. Dieser folgt man dann bis zur nächsten Kreuzung, wo man sich nach links in die Schützenstraße wendet. Auf der rechten Seite erreicht man die St. Ulrici-Brüdernkirche (siehe S. 49). Der Abstecher folgt der Breiten Straße bis zum Bäckerklint. Hier steht der Eulenspiegelbrunnen, der 1906 errichtet wurde. Er erinnert an Till Eulenspiegel, der 1300 in der Nähe Braunschweigs geboren sein soll und als Sinnbild unverwüstlicher, lachender Lebensbejahung gilt. Sein Name ist durch das in der hochdeutschen Straßburger Bearbeitung von 1515 erhalten gebliebene Volksbuch unsterblich geworden. In unmittelbarer Nähe des Brunnens befand sich bis 1944 die Bäckerei, in der Eulenspiegel, dem Buch zufolge, als rechter Schalk Eulen und Meerkatzen gebacken haben soll. Das Denkmal wurde von dem jüdischen Bankier Meyersfeld gestiftet. In der Nazizeit war sein Name aus der Gedenktafel getilgt. Während des schweren Bombenangriffs auf Braunschweig am 15.10.1944 blieb der Brunnen unbeschädigt inmitten völlig zerstörter Häuser bestehen. Von der Breiten Straße kommend, wendet man sich nach rechts in die Straße   An der Petrikirche. Zur Linken steht die Kirche St. Petri. Als ihr Begründer gilt nach der mittelalterlichen Überlieferung Herzog Heinrich der Löwe. Um die bisherigen Hauptapostel des Domstiftes St. Petrus und St. Paulus für ihre Verdrängung durch St. Blasius als Schutzheiligen zu entschädigen, habe er die Pfarrkirche St. Petri und die nicht mehr vorhandene St. Pauls- Kapelle bei der Martinikirche gegründet. Der erste Bau dieser vierten Pfarrkirche der Altstadt fiel 1256 einem Stadtbrand zum Opfer. Vom zweiten Bau stammt der 71 Meter hohe Einzelturm. Nach dem Stadtbrand von 1290 entstand der dritte Bau, der die heute noch im Wesentlichen erhaltene Hallenkirche aus dem 14. Jh. umfasste. Die hohe, früher bleigedeckte, Turmspitze wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach durch Sturm und Blitzschlag beschädigt. Nach 1811 ersetzte eine barocke Haube die gotische Spitze. Nach den Kriegszerstörungen wurde 1969-1971 ein kupfergedeckter Spitzturm mit einem von Bodo Kampmann gestalteten Hahn errichtet. Den Innenraum der Kirche beherrschen die schweren Achteckpfeiler. Nun folgt man weiter der Straße, geht an der Kreuzung mit der Gördelin-gerstraße geradeaus in die Straße Hintern Brüdern und wendet sich dann nach rechts in die Schützenstraße. Zur Linken erhebt sich die St. Ulrici- Brüdernkirche. Die einzige Kirche eines Bettelordens in Niedersachsen wurde nach ihren Erbauern, den Brüdern des Franziskanerklosters benannt. Ein erster Kirchenbau stammte bereits aus der Mitte des 13. Jh. Der heute noch nachvollziehbare gotische Neubau begann 1345. Der westliche Teil der Kirche wurde nach längeren Bauunterbrechungen und Planänderungen 1451 vollendet. Bis 1522 folgten die Konventsbauten und der Kreuzgang. Nach Einführung der Reformation verließen die Franziskaner 1528 die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt, der Wiederaufbau dauerte bis 1978. Vom mittelalterlichen Klosterkomplex sind der dreiflüglige gotische Kreuzgang, die Sakristei und eine kleine polygonal angelegte Kapelle erhalten. Der Innenraum der Kirche ist reich ausgestattet.

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