BRAMSCHE

ANFAHRT

■ A1 Osnabrück – Bremen. ■ B 68 aus Richtung Osnabrück bzw. Cloppenburg. ■ B 214 von Lingen (Ems). ■ B 65/B 218 aus Richtung Minden. ■ Bahnhof mit Nahverkehrsanschluss zum IC-Halt Osnabrück.

GESCHICHTE

Prähistorische Hügelgräber und Opfersteine weisen auf eine frühe Besiedlung des Bramscher Gebietes hin. Im 9. Jh. fand auf dem Gebiet des Stadtteils Kalkriese die Varusschlacht statt, bei der die Römer von den Germanen in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen wurden. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Bra- mezche” im Jahr 1097. Durch seine Lage nahe der Bischofsstadt Osnabrück und an der Kreuzung alter Handelswege erlangte Bramsche im Mittelalter große Bedeutung für die Entwicklung des nördlichen Osna- brücker Landes. 1225 wurde Bramsche als „Villa” (Dorf) bezeichnet und gelangte als Schenkung zum Gebiet des Osnabrücker Hochstifts. Von 1276 bis 1489 war Bramsche Sitz des Quakenbrücker Stiftskapitels. 1323 erwarb Bramsche die Gogerichtsbarkeit, d. h. der Ort war Sitz eines kleinen Landgerichts, vor dem Fälle der Zivilgerichtsbarkeit und der niederen Strafgerichtsbarkeit verhandelt wurden. Vom Ackerbürgerflecken, dessen Einwohner vorwiegend von der Landwirtschaft lebten, entwickelte sich Bramsche ab Anfang des 16. Jh. zum Handwerkerort, in dem die Tuchmachergilde als erste Handwerkergilde gegründet wurde. 1555 und 1556 tagte der Osnabrücker Landtag in Bramsche. Trotz seiner herausgehobenen Stellung erhielt Bramsche erst 1929 die Stadtrechte. Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform wurden 1971/72 12 ehemals selbstständige Gemeinden zu Bramsche eingegliedert. Heute hat die Stadt an der Hase ca. 31000 Einwohne.

St. Martin Kirche, Bramsche

St. Martin Kirche, Bramsche

RUNDGANG DURCH DEN HISTORIS CHEN STADTKERN

Der Rundgang beginnt im Handwerkerviertel Mühlenort mit seinen kleinen, verwinkelten Handwerker- und Tuchmacherhäusern. Auf der Basis von Staatsaufträgen arbeiteten hier bis 1970 Kleinbetriebe in genossenschaftsähnlichen Kooperationen. Im Gebäude der ehemaligen Tuchmacher- Innung Bramsche ist das 1997 eröffnete Tuchmacher Museum untergebracht, das auf 2500 m2 Ausstellungsfläche die Wollverarbeitung im 19. und 20. Jh. an laufenden Maschinen zeigt. Die hier bis 1972 ansässige genossenschaftliche Tuchfabrik entstand aus einer einst fürstbischöflichen Mühlenanlage, auf die auch der Straßenname „Mühlenort” hinweist. Ein Rundgang durch das Museum führt über 18 Arbeitsschritte „vom Schaf zum Tuch”. Neben Maschinendemonstrationen geben ein Spinnsimulator, Modelle, Videos und Computeranimationen einen Einblick in die Welt des Handwerks, der Industrie und der Rohstoffe.

Der Museumskomplex umfasst außerdem ein Restaurant mit Biergarten, einen Museumsladen, einen Kinderspielplatz sowie Leseecken und Ruhezonen. In historischem Ambiente finden außerdem Empfänge und Tagungen statt. In der Kornmühle aus dem 18. Jh. werden Konzerte und Lesungen veranstaltet und in der historischen Meisterstube kann man sich an regelmäßigen Terminen das Ja-Wort geben. Führungen, museumspädagogische Programme für Schulklassen und Sonderausstellungen zur Regionalgeschichte, zu Textilkunst und Textilgeschichte runden das Angebot ab. Im Außenbereich führt ein Rundweg in ca. 15 Minuten durch die Flussniederungen der Hase und über den Deich, unter anderem auch vorbei an heimischen Schafen, die das Museum mit Wolle „beliefern”. Vom Mühlenort überquert man die Hemker Straße. Die dortigen Häuser wurden um 1860 errichtet. Nachdem ursprünglich ausschließlich Tuchmacher hier gelebt hatten, zogen um 1900 auch Tischler, Bäcker und andere Handwerker zu. Das Haus Torlage ist der älteste und einer der kleinsten Tuchmacherbetriebe, dessen bis heute erhaltene Werkstätten einen Eindruck von der historischen Arbeitssituation vermitteln. Weiter geradeaus durch die Mühlenstraße und die Münsterstraße und dann rechts durch die Kirchhofstraße erreicht man die St.-Martin-Kirche, die die Keimzelle der Stadt und bis heute das Zentrum der malerischen Altstadt bildet. Die Kirchengründung reicht bis in die Zeit Karls des Großen zurück, die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1097. Das Gotteshaus wurde auf einer Anhöhe nahe einer Hase-Furt am Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege erbaut. Die Kirche weist bau- und kunstgeschichtliche Elemente von der Romanik bis zur Gegenwart auf. Um 1200 entstanden im Stil der Romanik das Hauptschiff der heutigen Kirche mit drei quadratischen Jochen, der Westturm sowie der Taufstein (1235). Gotisch sind der Choranbau mit schönem charakteristischem Fischblasenmaßwerk der Fenster, das Altarkruzifix und die Rankenmalerei im ganzen Gewölbe aus dem 15. Jh. Aus dem 17. Jh. stammen die im Barockstil gestalteten beiden Kronleuchter, die Kanzel und das Altarretabel mit Bildern der niederländischen Tafelmalerei. Besonders imposant ist das große Hauptaltarbild vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Das obere kleine Altarbild zeigt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter als Fortsetzungsgeschichte. Die neugotischen Buntglasfenster im Chor aus den Jahren 1905 und 1906 stellen in ausdrucks-starken Farben die Weihnachtsgeschichte und das Ostergeschehen dar. Das St.-Martin-Fenster wurde von Verena Halbrehder von Falkenstein entworfen und 1999 in den Glaswerkstätten Schneemelcher in Quedlinburg angefertigt. Ende des 19. Jh. und Anfang des 20. Jh. wurden auch die Darstellungen vom sinkenden Petrus und die Jugendstiltür zum Turm geschaffen. Der Fürbittenleuchter „Der brennende Dornbusch” aus dem Jahr 2003 wurde von Hilko Schomerus gestaltet. Kirchenführungen sind nach vorheriger Anmeldung (Tel. 05461/2628 und 3353) möglich. Entlang der St.-Martin-Kirche verläuft die Große Straße. In diesem Viertel wurden einst Leinenproduktion und Leinenhandel betrieben. Seit dem Mittelalter spielte Leinen als textiler Rohstoff eine bedeutende Rolle. Um 1800 bildete das Osnabrücker Land eine der Kernzonen des nordwestdeutschen Leinenhandels.

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