BAD GANDERSHEIM

ANFAHRT

■ A 7 Hildesheim – Göttingen. ■ B 64 aus Richtung Höxter. ■ Bahnhof mit RB-Anschluss.

GESCHICHTE

Bereits um 800 bestand in der Mark Gandersheim ein so genannter „Wik”, ein Handelsplatz. Dominiert wurde das Gebiet damals von der sächsischen Adelsfamilie der Liudolfinger, die im 10. Jh. ihre Macht als ottonische Kaiserdynastie weiter ausbauten. 852 gründeten Herzog Liudolf von Sachsen und seine Frau Oda ein Kanonissenstift in Brunshausen. 990 erhielt Gandersheim das Markt-, Münz- und Zollrecht und wurde 1159 erstmals als „civitas” (Stadt) erwähnt. Um 1300 ließen die Herzoge von Braunschweig in Gandersheim eine Burg errichten. 1329 erlangten die Bürger die Unabhängigkeit von der Stiftsäbtissin, womit die Entwicklung zur rechtlich eigenständigen Stadt mit Bürgermeister und Stadtrat begann. 1334 wurde der Mauerring um Stift und Stadt abgeschlossen. 1501 gründete Herzog Heinrich der Jüngere ein Franziskanerkloster („Barfüßerkloster”). Im Zuge der Reformation wurden 1568 das Stift und die Klöster evangelisch bzw. wurden aufgelöst. 1580 zerstörte ein großer Stadtbrand über ein Drittel der Wohnhäuser. Im Dreißigjährigen Krieg besetzte General Tilly 1626 die Stadt. Eine kulturelle Blütezeit erlebte Gandersheim im Barock. 1803 verlor das Stift Gandersheim seine Unabhängigkeit als Reichsstift und wurde Landesstift des Herzogtums Braunschweig, bevor es nach dem Tod der letzten Äbtissin 1810 aufgehoben wurde. Mit der Bildung des Landkreises Gandersheim 1833 wurde Gandersheim „Beamtenstadt”. 1856 wurde die Bahnlinie Braunschweig – Kreiensen eröffnet. 1878 gründete der ehemalige Militärarzt Dr. Leonhardi das erste Solbad in Gandersheim. Seit 1932 darf sich die Stadt Bad Gandersheim nennen. 1959 fanden die ersten Gandersheimer Domfestspiele statt. In den 70er-Jahren entstand das heutige Kurviertel mit den großen Kliniken. Neben dem Kurbetrieb ziehen die historischen Sehenswürdigkeiten und neue touristische Projekte wie das Ausstellungskonzept „Portal zur Geschichte” viele interessierte Besucher in die schmucke Kurstadt mit ihren ca. 12000 Einwohnern.

Merian-Stich um 1654 von Gandersheim

Merian-Stich um 1654 von Gandersheim

RUNDGANG DURCH DEN HISTORISCHENSTADTKERN

Der Rundgang beginnt an der auch als „Dom” bezeichneten Stiftskirche. Die romanische Basilika wurde in der ottonischen Zeit ab 856 erbaut und 881 erstmals geweiht. Der heutige Bau entstand vorwiegend in der Mitte des 12. Jh., die gotischen Seitenkapellen im 14. und 15. Jh. Die sehenswerte Innenausstattung umfasst u. a. das Stifterbildnis des Sachsenherzogs Liudolf aus dem 13. Jh., den Marmorsarkophag der Fürstäbtissin Elisabeth Ernestine Antonie von Sachsen-Meiningen aus dem 18. Jh., das Roswithafenster von 1973 und die Bronze-Relieftür (1971). Im Jahr 2000 erhielt die Stiftskirche eine neue Orgel. Hinter der Stiftskirche befindet sich die
Abtei des Stiftes Gandersheim. Das Stift wurde 852 gegründet und erlangte unter dem Schutz des Reiches weitgehende Unabhängigkeit, die Äbtissinnen hatten den Status von Reichsfürstinnen. Im Zuge der Reformation 1568 wurde das Stift evangelisch und nach dem Tod der letzten Äbtissin 1810 schließlich aufgehoben. Im Untergeschoss des Abteigebäudes befindet sich eine romanische Marienkapelle, die früher als Privatkapelle der Äbtissinnen diente. Nach dem Stadtbrand im Jahr 1597 wurde das Gebäude von der Äbtissin Anna Erika von Waldeck im Stil der Weserrenaissance wieder errichtet. Der Barockflügel mit dem prächtigen Kaisersaal, welcher durch seine nach einem Vorbild Raffaels bemalten Decke beeindruckt, entstand in den Jahren 1726 bis 1732 unter der Äbtissin Elisabeth Ernestine Antonie von Sachsen-Meiningen, die das Stift 53 Jahre lang leitete und die Künste und Wissenschaften besonders förderte. Ihr ist der 1748 erbaute und 1878 renovierte Elisabethbrunnen an der Außenwand des Abteigebäudes gewidmet. Vor der Abtei erinnert der Roswithabrunnen von 1978 an Roswitha von Gandersheim. Die erste namentlich bekannte Schriftstellerin in Deutschland und in der gesamten christlichen Welt seit der Antike lebte und arbeitete im Stift und schuf eigenwillig gestaltete Dramen in ausdrucksvoller Sprache. Über den Platz „Am Plan” gelangt man zur Burg der Braunschweiger Herzoge. Mitte des 13. Jh. wurde die Anlage als Wasserburg erbaut und besaß einen Hauptzugang über die Gande. 1318 wurde die Burg als „Castrum nomine Gandersheym” erstmals urkundlich erwähnt und 1530 umgebaut. Nachdem die Burg als zeitweiliger Wohnsitz der Braunschweiger Herzoge gedient hatte, war im Spätmittelalter die Verwaltung des herzoglichen Amtes Gandersheim hier untergebracht. Heute befindet sich hier das Amtsgericht. Über den „ Plan” und die Straße „Burg” erreicht man den Marktplatz, der seit der Verleihung des Markt-, Münz- und Zollrechts an das Stift Gandersheim im Jahre 990 das Handelszentrum bildete und von schmucken Fachwerkhäusern umgeben ist. Hs. Nr. 8 („Bracken”) mit reichem Schnitzwerk stammt aus dem Jahr 1473 und ist damit das älteste Bürgerhaus der Stadt. Hs. Nr. 9 wurde 552, das Restaurant „Zur Ecke” 1581 erbaut. Das Hotel „Weißes Roß” wurde bereits im 16. Jh. als Gasthaus erwähnt. Gegenüber der Stiftskirche steht das Rathaus. Nach dem Stadtbrand von 1580 wurde es T Marktplatz mit Stiftskirche unter Einbeziehung von Resten der mittelalterlichen Moritzkirche und des ersten Rathauses aus dem 14. Jh. im Stil der Weserrenaissance errichtet.

Am Eingang zum Ratskeller sind das Halseisen und die Lästersteine als Zeichen mittelalterlicher Gerichtsbarkeit, an der Ecke zur Moritzstraße ein „Pestkorb” zu sehen. Der einstige Kirchturm wurde als „Wächterstübchen” ausgebaut; von hier konnte der Stadtwächter die Stadt überblicken. Eine repräsentative Freitreppe führt in die Ausstellungsräume des Museums der Stadt Bad Gandersheim, das in den Dachgeschossen des Rathauses untergebracht ist. Das Museum dokumentiert als Schwerpunkt unter-schiedliche Aspekte der Stadtgeschichte vom Mittelalter bis heute, u. a. die Gerichtsbarkeit, die Entwicklung des Kurbades, Handwerk und Wohnkultur. Ein Stadtmodell zeigt die mittelalterliche Stadt mit Mauern, Toren und Türmen. Gesonderte Ausstellungsbereiche widmen sich der Geschichte des Reichsstiftes Gandersheim und in diesem Zusammenhang dem Leben und Werk der Dichterin und Stiftsdame Roswitha von Gandersheim. Die Dauerausstellung wird durch Vorträge und Sonderausstellungen in anderen historischen Räumen wie dem barocken Kaisersaal der Abtei oder dem ehemaligen Kloster Brunshausen ergänzt.

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